Betrifft Kinder

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Landlust ist das neue Trendthema im Kinderbuch, wo »Heuhaufenhalunken«1, »Ein verrückter Hühnerhaufen«2 und »Sieben Hühner, entschlossen und wild«3 um die Gunst der jungen LeserInnen buhlen. Die neu entdeckte Freude am Leben auf dem Land, am Werkeln und Erleben im eigenen Garten und an den unzähligen Beobachtungen, die Kinder im Freien machen können, hat auch aufs Bilderbuch abgefärbt. Zahllose Titel erzählen von der Natur – und machen vor allem Lust auf eines: Ab nach draußen!



Das Rap-Huhn

Stadt oder Land? Das ist die große Frage im muskalischen Bilderbuch »Das Rap-Huhn« vom Ritter-Rost-Erfolgsduo Felix Janosa und Jörg Hilbert. Die Hühner führen auf dem Land ein glückliches Leben und alles hat seine Ordnung – bis eines Tages ein fremdes Huhn zu Besuch kommt und angeberisch das herrliche Stadtleben preist. Dort sei alles besser und größer und schöner, behauptet es, und man trete da auch nicht nur in armseligen Kuhmist, sondern in richtig fette Hundehaufen. Bis auf Küken Eggbert zeigen sich die Hühner beeindruckt, doch unter Eggberts kritischen Fragen knickt das Rap-Huhn irgendwann ein und erzählt auch von den unschönen Seiten in der Stadt. Dass man nirgendwo richtig Körner picken kann, weil alles zubetoniert ist. Und Freunde hat es eigentlich auch keine richtigen. Das klingt nun in der Zusammenfassung sehr nach pädagogisierender Schwarz-Weiß-Malerei, aber wer Jörg Hilbert und Felix Janosa kennt, der ahnt, dass es so platt bei den beiden nicht zugeht! 





In die von sieben gerappten, geswingten und gerockten Liedern untermalte Geschichte fließt noch einiges an Spaß und Fantasie ein. Der Höhepunkt ist erreicht, als das Rap-Huhn ein Stadt-Ei hervorzaubert, das natürlich viel größer ist als alle Land-Eier es jemals sein könnten, und es alle Hühner gemeinsam ausbrüten – mit überraschendem Ausgang!

Das Buch zeichnet ein idyllisches Landleben mit üppigen Gärten und Feldern und vor allem der großherzigen Bereitschaft der Landhühner, das angeberische, im Herzen aber eigentlich unglückliche Stadthuhn in ihrer Mitte aufzunehmen. Auf die Stadt wollen sie dabei trotzdem nicht verzichten: Straßenbahn fahren, ein Eis-Museum besuchen und Pommes essen sind doch zu verlockende Kontrastangebote. 


Am besten kuschelt man sich hier mit allen Kindern zusammen und lauscht der dem Buch beigefügten CD, auf der Oliver Korittke die Geschichte so wunderbar vorliest und man sich die coolen Songs gleich an der richtigen Stelle anhören kann. Und hinterher rappt man gemeinsam los, tok, toke, toke, tok, tok ... 

Praxistipp: »Das Rap-Huhn« bietet mit den Songs unterschiedlicher Stilrichtungen einen leichten Einstieg und macht auch beim mehrfachen Hören großen Spaß. Das führt dazu, dass sich die Lieder schnell lernen lassen und die Kinder sie begeistert mitsingen. So lässt sich die kleine Geschichte szenisch nachstellen und den Kindern könnte eine kleine Musical-Inszenierung angeboten werden. Man braucht ein Angeberhuhn und den kritischen Eggbert und viele weitere Kinder in Hühnerrollen, die in erster Linie staunen und mit großen Augen »ooooh« und »aaaaah« sagen müssen. Dabei wird klar, dass es hier nicht nur um die gegensätzliche Darstellung von Stadt und Land geht, sondern auch um Freundschaft und ein aufgeschlossenes Aufeinander-Zugehen. 

Doch auch zum genauen Beobachten und Argumentieren lädt das Buch ein: Was finden die Kinder an einer Stadt toll? Was begeistert sie auf dem Land? 
Und wenn man dann noch die unterschiedlich großen Eier miteinbezieht, hat man schnell eine ganze Projektreihe aus dem Bilderbuch entwickelt.



Kribbel Krabbel auf der Wiese





Mit »Kribbel Krabbel auf der Wiese« können schon die Allerkleinsten auf Entdeckungsreise gehen. Fröhlich bunt auf weißem Hintergrund ist dieses wimmelige Pappbil-derbuch gestaltet, das auf jeder Doppelseite mit einem kleinen Reim in die Szene einführt und den Kleinen darüber hinaus noch zwei Suchaufträge mit auf den Weg gibt.

Für den einen muss man gut hinschauen und schon ein bisschen zählen können: Kannst du die 5 Marienkäfer entdecken? Oder die 10 Ameisen? Um die 7 Spinnen zu finden, müssen auch die Vorleser ganz genau gucken – das ist gar nicht so einfach! Für den zweiten darf man das kleine, auf jeder Doppelseite integrierte Memo-Spiel ausprobieren.

Hinter jeweils 7 gestalterisch schön in die Seite eingefügten Klappen sind immer drei Pärchen versteckt; Grashüpfer, Bienen, Schmetterlinge – immer zwei passen zusammen, einer bleibt übrig. Auch hier ist genaues Hinsehen gefragt, denn die versteckten Krabbler können durchaus spiegelverkehrt abgebildet sein. Da muss man auf Farbgebung und Formen achten, um wirklich jedes Pärchen zu finden. Ein mit einfachen Mitteln gestaltetes, illustratorisch sehr ansprechendes kleines Buch schon für Kinder ab zwei Jahren.


1 cbj, 2017, ab 8.
2 Coppenrath, 2017, ab 9.
3 Gerstenberg, 2017, ab 9.

 



Den vollständigen Beitrag und weitere Artikel zum Thema können Sie in unserer Ausgabe Betrifft KINDER 03/17 lesen.



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