Betrifft Kinder

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ErzieherInnen tragen gesellschaftliche Verantwortung

Nur Kinder, die lernen selbst und miteinander zu denken, können sich aktiv in die Gesellschaft einbringen und eine Demokratie mitgestalten. Deshalb haben ErzieherInnen auch gesellschafts-politisch eine wichtige Aufgabe. Die aktuellen globalen Herausforderungen inspirierten Susanne Günsch, Reggio-Expertin und Initiatorin der Remida Hamburg, an die Ursprünge und Grundprinzipien der Reggio-Pädagogik zu erinnern.

 


»Wie wollen wir, dass unsere Kinder aufwachsen, damit so etwas nie wieder geschieht?« Das war die Grundfrage der Mütter – ja, es waren damals vor allem die Mütter – die nach dem Zweiten Weltkrieg in Villa Cella nahe Reggio Emilia über die neu aufzubauende Betreuung für ihre Kinder nachdachten. 

Noch im Jahr 2009 erhielt der damalige Präsident der USA Barack Obama den Friedensnobelpreis und die Europäische Union bekam ihn im Jahr 2012 für ihren Einsatz für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte in Europa. Heute ist von Friedensstimmung wenig zu spüren. Unsere Tagespolitik ist geprägt von Themen wie Fremdenhass, Populismus, Nationalismus in verschiedenen Ländern Europas, dem Bürgerkrieg in Syrien, den teilweise unsäglichen Umständen, in denen zu uns geflüchtete Menschen leben müssen, dem Klimawandel und einem neuen amerikanischen Präsidenten, der es vor allem mit Polarisierung und Propaganda ins Weiße Haus geschafft hat. 


 

»Wir müssen die Veränderung sein,
die wir in der Welt sehen wollen.« 

Mahatma Gandhi




Wie Kinder Demokratie lernen

Eine Antwort, die die Mütter auf ihre Frage fanden, lautete: Wir müssen sie zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten erziehen! Dieser Auftrag ist auch im KJHG formuliert. Wie kann er konkret erfüllt werden? Im Unterschied zu den meisten von uns, sind die Frauen von Reggio Emilia in einer traditionell sozialistisch und antifaschistisch orientierten Gegend aufgewachsen, der norditalienischen Region Emilia Romagna. Ihre Grundhaltung wird noch heute in den kommunalen Kitas von Reggio Emilia gelebt, die weit mehr sind als eine Bildungseinrichtung im Sinne der Vorbereitung auf die Schule. Die Kitas verstehen sich als gesellschaftliche Wiege, die den Mangel an kulturellen Reizen ausgleicht und in denen Kinder vor allem Toleranz erleben, ihr Selbstbewusstsein entwickeln, sich selbst ausdrücken und urteilen lernen. Dokumentationen von Lernprozessen werden dort übrigens nicht wie bei uns individuell für jedes einzelne Kind erstellt, sondern für die jeweiligen Projekte. Das ist ein wesentlicher Unterschied, an dem sich auch unterschiedliche Bildungsziele ablesen lassen. 

Während wir angehalten sind, die individuellen Kompetenzen der Kinder zu fördern, stellen die Einrichtungen in Reggio Emilia das soziale Miteinander in den Mittelpunkt. Man geht grundlegend davon aus, dass z.B. die Lösung eines Problems nie eine individuelle Leistung ist, sondern immer eine gemeinsame. Die Förderung individueller Kompetenzen ist zweifelsohne eine großartige Errungenschaft der Moderne, sie scheint mir inzwischen jedoch über ein sinnvolles Ziel hinauszuschießen. Niemand kann alleine die Welt retten, egal wie gut entwickelt ihre oder seine Kompetenzen sind. Wirklich tragend für eine Gesellschaft sind Menschen, die auch darin kompetent sind, Herausforderungen gemeinsam angehen zu können. 


 

Ausgelöst von der aktuellen Situation in Europa und der Welt kreisten Susan-ne Günschs Gedanken in den vergangenen Wochen so oft um die Mütter aus Reggio Emilia und die Anfänge der Reggio-Pädagogik, dass sie sich entschied, sie mit uns zu teilen.  Was denken Sie, welche politische Verantwortung PädagogInnen im frühkindlichen Bereich leisten sollten und welche Unterstützung Sie dafür bräuchten? 

Schreiben Sie uns an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
Gemeinsam denkt es sich am besten!




Die Autorin
Susanne Günsch ist Erzieherin, Diplom-Sozialpädagogin und Autorin. Sie gründete die Remida, das kreative Recycling Centro in Hamburg, und arbeitet als freiberufliche Fortbildnerin für Reggio-Pädagogik und offene Arbeit.

Kontakt
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www.remida.de



Den vollständigen Beitrag und weitere Artikel zum Thema können Sie in unserer Ausgabe Betrifft KINDER 03/17 lesen.



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