Betrifft Kinder

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Politische Wirksamkeit von Kitas


Barbara Leitner führte ein Gespräch zur politischen Wirksamkeit von Kitas mit Petra Strehmel, Professorin im Bereich Soziale Arbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Petra Strehmel ist Mitautorin der Hamburger Erklärung, die im vergangenen Jahr auf einer Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e.V. verfasst wurde.


Was empfehlen Sie Kitas für ihre politische Wirksamkeit zu tun?

Kitateams sollten eine offensive Öffentlichkeitsarbeit betreiben, um Politik zu beeinflussen. Und: auf jeden Fall, sich zusammenschließen und über ihre Träger und Verbände agieren. Kitaleiterinnen und -leiter sollten ihre Erfahrungen in entsprechenden Arbeitskreisen einbringen. In den 1980er-Jahren gelang es uns mit einem solchen Bündnis in München ein deutliches Plus an Zuschüssen für die Kitas durchzusetzen. Wir organisierten Veranstaltungen, in denen wir als Vertreterinnen und Vertreter von Elterninitiativen zusammen mit anderen Trägern und Verbänden profiliert darlegten, wofür diese Gelder gebraucht werden. Dazu waren Kommunal- und Landespolitiker eingeladen. Die verstanden unsere verständlich übermittelten Anliegen und versprachen, die Sachverhalte zu prüfen. Einige Monate später gab es eine Nachfolgeveranstaltung, zu der die Verantwortlichen eingestehen mussten, dass nichts geschehen war. Beim dritten Mal standen Wahlen bevor. Wir sorgten erfolgreich für Wirbel und entsprechenden Druck.
Man braucht also einen langen Atem?

Unbedingt. Bei den Kindern bleiben die Erzieherinnen und Erzieher auch dran, selbst wenn sie nicht sofort Erfolge sehen. Das können sie! Das erlebte ich in Hamburg, wo wir vor ein paar Jahren das Hamburger Kitagutscheinsystem auf den Prüfstand stellten. Aus der Warte vieler Akteurinnen und Akteure stand damals vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Vordergrund, nicht aber die Interessen der Kinder. Träger und Verbände bereiteten eine Tagung mit verschiedenen Arbeitskreisen vor und luden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein, die – empirisch fundiert – darlegten, welche Folgen das System für Kinder und Fachkräfte mit sich brachte und wo es sich als sozial ungerecht erwies. Inzwischen wurden die Richtlinien geändert. Das Engagement der Akteurinnen und Akteure hat dazu sicher beigetragen.



Gut ist es offensichtlich auch, sich mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu verbünden?  

Wissenschaftlerinnen liefern wichtige Argumente. Es ist gut zu fragen, was weiß man aus der Forschung zu dem entsprechenden Thema. Beispielsweise nutzten die Gewerkschaftsvertreter in den Tarifverhandlungen die Expertisen zum Bundesqualitätsgesetz (Betrifft KINDER berichtete seit Beginn dieses Jahres darüber), um ihre Forderungen wissenschaftlich zu belegen. Ebenso offensiv können Kitas auch ihre eigene Arbeit kommunizieren. Ich finde es liegt ein riesiges Potenzial darin, deutlich zu machen, was die Kinder im Alltag miteinander lernen und was Erzieherinnen und Erzieher leisten, um den Kindern entsprechende Lernerfahrungen zu ermöglichen! Ich habe davor einen großen Respekt und wünschte, Erzieherinnen und Erzieher, Träger und Verbände würden das immer wieder öffentlich beschreiben.  




Die Hamburger Erklärung der BAK-BEK formuliert die Herausforderungen für Erzieherinnen, Leitungen und Träger, die Fachberatung, Aus- und Weiterbildung, die Wissenschaft und was sie von der Politik benötigen.
www.bag-bek.eu/fileadmin/user_upload/ Hamburger_Erklaerung-2014.pdf


 


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