Betrifft Kinder

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Zum Start der ersten externen Evaluation im Land Berlin

»Schauen Sie sich ruhig um und stellen Sie Ihre Fragen«, sagt Sylvia Kaschner und öffnet die Türen der Kita am Prellerweg im Berliner Süden. Die Einrichtung des Eigenbetriebs Südwest gehört zu den ersten cirka 30 in der Hauptstadt, die im vergangenen Jahr schon mal probehalber extern evaluiert wurden, bevor das Programm am 1. August 2010 startet.

»Im Vorfeld bestanden durchaus Ängste, dass es um Kontrolle geht«, erinnert sich die Kita-Leiterin. Doch sie ermunterte die Kolleginnen, nicht anders als üblich zu arbeiten, keine Extras vorzubereiten.

Die Art, in der sich die Evaluatorinnen durch das Haus bewegten, gab ihr Recht. Sie verhielten sich zurückhaltend, schauten interessiert, fragten auch die Kinder. »Außerdem fühlten wir uns durch die interne Evaluation gut vorbereitet«, ergänzt Maud Apel, die Stellvertreterin.


Berlin ist Vorreiter in Sachen Qualitätsentwicklung

»Als wir in der Leitungssitzung fragten, wer zur Evaluation bereit sei, gingen die Finger etlicher Leiterinnen hoch«, sagt Martina Castello, pädagogische Geschäftsführerin vom Eigenbetrieb Süd-West und zuständig für 37 Kitas mit 750 Mitarbeiterinnen. Sie ist überzeugt, dass profunde Fortbildungen des Trägers und die guten Erfahrungen bei der internen Evaluation für solch ein offenes Klima sorgten.

In den nächsten fünf Jahren, so sieht es die Qualitätsvereinbarung zwischen dem Berliner Senat und den Trägerverbänden (QVTAG) vor, werden sich alle Kitas einer externen Evaluation stellen. Überprüft wird, ob und wie sie nach dem Berliner Bildungsprogramm arbeiten. »Durch einen neutralen Blick von außen sollen blinde Flecke aufgespürt werden, und die Kitas sollen passgenaue Empfehlungen für ihre Weiterentwicklung erhalten«, erläutert Christa Preissing, Direktorin des Berliner Kita-Instituts für Qualitätsentwicklung. »Damit ist Berlin Vorreiter in Deutschland«, betont sie.

Zwar gibt es auch andernorts einzelne Kitas, Träger oder Kommunen, die sich dem Außenblick stellen. Nirgendwo sonst aber ist die Qualitätsüberprüfung für ein ganzes Bundesland vorgesehen. In Bremen werden gerade Mindeststandards festgelegt, in Hamburg wird überlegt, durch Inspektion zu testen, wo die Kinder die besten Ergebnisse erzielen. »Uns aber geht es darum, herauszufinden, ob die Kita den Kindern die Möglichkeit gibt, sich zu entfalten. Mit der Evaluation haben wir zum ersten Mal das dafür nötige verbindliche Qualitätsentwicklungs-Konzept«, erklärt Christa Preissing.


Qualität nicht zum Nulltarif

Qualität braucht Bedingungen und ist nicht zum Nulltarif zu haben. Deshalb wurde in der QVTAG vereinbart zu prüfen, welche Zeiten zur Vorbereitung und Dokumentation nötig sind. Ohne eine Koppelung an die Personalausstattung wäre es nicht möglich gewesen, den Kitas eine solche Herausforderung wie die konsequente Qualitätsentwicklung zum Bildungsprogramm zuzumuten. Mindestens 23 Prozent der Gesamtarbeitszeit einer Erzieherin oder eines Erziehers seien nötig, um pädagogische Aktivitäten vor- und nachzubereiten, mit Eltern zu kooperieren, sich um Qualitätsentwicklung und  -sicherung zu kümmern und sich zu vernetzen, also die Arbeit zu tun, die mit dem Bildungsprogramm verbunden ist, belegt eine Studie, die vom Berliner Kita-Bündnis erarbeitet wurde. Dieses Bündnis hatte sich formiert, als der Landes-Elternausschuss (LEAK) ein Kita-Volksbegehren angestrebt hatte, um die Personalausstattung zu verbessern.

Das Zusammenstehen aller Träger und Verbände, das Engagement der Erzieherinnen und der Eltern sowie deren Beharren darauf, dass neue Aufgaben von den Teams nur erfüllt und externe Evaluationen nur durchgeführt werden, wenn sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten ändern, zahlten sich aus. Im Dezember 2009 beschloss das Abgeordnetenhaus endlich ein verändertes Kita-Gesetz. Über zwei Stufen wird sich die Personalsituation in den Berliner Kitas nun deutlich verbessern.





www.beki.ina-fu.org
Mit dem Abschluss der »Qualitätsvereinbarung Tageseinrichtungen – QVTAG« einigten sich die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und die Verbände der Kitaträger auf ein System von Maßnahmen, mit dem die fortlaufende Qualitätsentwicklung aller Berliner Kindertageseinrichtungen auf der Basis des Bildungsprogramms gesichert werden soll. BeKi unterstützt und begleitet die Implementierung des Berliner Bildungsprogramms in der Praxis der Berliner Tageseinrichtungen für Kinder.

www.leak-berlin.de
Presseinfo, Infothek, Gesetze, Links und Aktivitäten – alles über den Landeselternausschuss der Berliner Kitas findet sich auf dieser Website.

www.ektimo.org
ektimo bietet als Lizenznehmer das Verfahren an, das die Internationale Akademie an der Freien Universität Berlin (INA gGmbH) zur externen Evaluation zum Berliner Bildungsprogramm entwickelt hat. Ähnliches bieten auch www.paedquis.de und www.quecc.de.

Den vollständigen Beitrag können Sie in unserer Ausgabe Betrifft KINDER 06-07/10 lesen.





 


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