Betrifft Kinder

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  Einblicke in Offene Arbeit

Wenn der Begriff Offene Arbeit fällt, verdrehen nicht wenige Kolleginnen die Augen. Sie verbinden mit diesem Konzept Chaos, Desorientierung, Überforderung. Manchmal haben sie Ähnliches erlebt; häufiger entstammen die Schreckensbilder jedoch dem Hörensagen. Das Wort »offen« ist tatsächlich offen für jedwede Interpretation. Deshalb versucht Gerlinde Lill, Mitglied im Netzwerk Offene Arbeit Berlin, den Begriff zu klären, und geht auf die Suche nach den sichtbaren und unsichtbaren Seiten der Offenen Arbeit – diesmal unter dem Stichwort: Schatzsuche.


Schätze lagern in allen Kitas. Aber nicht immer werden sie entdeckt und gehoben. Manche Werkbank steht ungenutzt herum, mancher Raum bleibt stundenlang leer – mit Vorliebe der Bewegungsraum – , andere werden als Abstellkammern vergeudet, und ungewöhnliche Kompetenzen der Kolleginnen liegen tief im Dunkeln. Die Chance, den Kindern ein breites Spektrum von Erfahrungen und Anregungen zu bieten, ihnen die Möglichkeit zu verschaffen, eigenen Interessen und Bedürfnissen zu folgen oder besondere Unternehmungen zu starten, wird damit allzu oft verschenkt. Warum ist das so?



Klein-klein und meine-meine?

Solange klein-klein gedacht wird und jede Kollegin »ihre« Spiele und Materialien hortet, solange alle an »ihren« Gruppenräumen hängen und »ihre« Kinder am liebsten immer im Blick haben möchten, bleibt alles beim Alten – auch wenn den Kindern damit vieles vorenthalten wird.

Öffnungsprozesse erfordern daher zuerst ein Umdenken bei jeder und jedem Einzelnen: sich verabschieden von »meine-meine« und von der wechselseitigen unterschwelligen Konkurrenz (Vielleicht wollen die Kinder alle zu meiner Kollegin, vielleicht hat sie mehr zu bieten...), sich lösen von der Befürchtung, gemeinsame Verantwortung führe zu Verantwortungslosigkeit.

Wer andere Erfahrungen gemacht hat, weiß, dass es auch anders geht. Doch andere Erfahrungen kann nur machen, wer sie zulässt. Dann allerdings gibt es meist kein Zurück mehr. Denn es ist überzeugend, wie sich die Möglichkeiten für Klein und Groß potenzieren und das Leben für alle leichter, entspannter und vielfältiger wird.



Irgendwie und irgendwas?

Eine der großen Chancen der Offenen Arbeit liegt in der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen aller Art und damit der größtmöglichen Erweiterung von Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene. Raum und Material werden ebenso zusammengetan und als Ganzes betrachtet wie Zeitbudget und Kompetenzen im Team.
Schätze liegen aber auch im gemeinsamen Nachdenken und Ideen-Spinnen (Dafür haben wir einen Ideenspeicher.), in der Auseinandersetzung über Begriffe und Definitionen (Das führt zu mehr Klarheit.) und in gemeinsamer Planung.

Nicht »irgendwie«, sondern entlang einer Prioritätenliste zu planen zwingt zur Auseinandersetzung über das, was warum wichtig ist oder – umgekehrt – wegfallen kann. Das wirkt entlastend, weil es nicht mehr darum geht, immer mehr und möglichst alles zu tun, sondern sich auf das Richtige und Wichtige zu konzentrieren. Zugleich entsteht ein gemeinsamer roter Faden, der Orientierung gibt und Rückhalt gegenüber kritischen Nachfragen, zum Beispiel von Eltern.



Alle über einen Kamm?

Die Pflege der Besonderheit des Teams ist ein weiterer wertvoller Schatz, der in die Profilierung der Einrichtung mün-det und nach innen wie nach außen wirkt. Wir stehen für bestimmte Leitgedanken, wir setzen Schwerpunkte und wissen genau, was wir warum tun. Wir sind in unseren Überzeugungen erkennbar und stehen dafür ein.

So gesehen, sind auch wachsende Souveränität, Gelassenheit und eine Teamkultur, die Unterschiede anerkennt und nutzt, große Schätze. Es müssen wahrlich nicht alle dasselbe können und bieten (Wie langweilig!). Je vielfältiger die Charaktere und persönlichen Neigungen, die Temperamente und Leidenschaften, um so interessanter ist es im Miteinander und für die Kinder – vorausgesetzt, dass alle von allen und allem profitieren können.



Pfui, Fehler?

Schätze verbergen sich auch in Fehlern, aus denen alle lernen können. Voraussetzung ist natürlich, dass es kein schadenfrohes »Siehste!« mehr gibt und keine Perfektion erwartet wird. Fachfrauenprinzip und andere Arten von Spezialistentum ermöglichen den Kolleginnen außerdem, sich in ihren Lieblingsbereichen zu profilieren und ihre Kompetenzen auszubauen. Dadurch erweitern sie die Chancen der Kinder, interessante Erfahrungen zu machen und sich von der Begeisterung ihrer Erzieherinnen anstecken zu lassen.
 

Den vollständigen Beitrag können Sie in unserer Ausgabe Betrifft KINDER 01-02/06 lesen.
 

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