Betrifft Kinder

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Begabungsförderung im Kitaalltag

Nur etwa 30 bis 40 Prozent der hochbegabten Kinder werden als solche erkannt. Viele pädagogische Fachkräfte fragen sich: »Wie kann ich sicher sein, dass eine außergewöhnliche Begabung vorliegt?« Dr. Isabel Vöhringer von der Stiftung Kleine Füchse gibt dazu Hilfestellungen und erläutert, wie begabungsgerechte Förderung den Alltag erleichtert.


Ganzheitliche und an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtete Förderung sind heutzutage für die meisten ErzieherInnen eine Selbstverständlichkeit. Zumindest theoretisch. Bei der Umsetzung dieses Anspruchs in die Praxis stoßen jedoch viele an ihre Grenzen. Große Gruppen, lange Öffnungszeiten, die Betreuung von besonders jungen Kindern, die Integration von Flüchtlingen, ein Mangel an Fachkräften und der steigende Anspruch der Eltern sind nur einige der Herausforderungen, die ihnen viel Zeit und Kraft abverlangen. Glücklicherweise kann begabungsgerechte Förderung in der Kita auch ohne großen Zeitaufwand umgesetzt werden, eine ausgewogene Spiel- und Lernatmosphäre schaffen und schlussendlich den Arbeitsalltag der pädagogischen Fachkräfte erleichtern. 






Hilferufe verstehen

In der Entwicklungspsychologie geht man davon aus, dass sich ein Kind dann besonders gut entwickelt, wenn seine Umwelt – Familie, soziales Umfeld, Bildungsangebote etc. – zu seiner Persönlichkeit und seinen Bedürfnissen passt. Ohne eine solche Passung kann es zu Störungen der kindlichen Entwicklung kommen. Stellen wir uns beispielsweise ein Kind mit einem vergleichsweise großen Bewegungsdrang vor, das in einer kleinen Wohnung und ohne die Möglichkeit auf den Spielplatz zu gehen, aufwächst. Dieses Kind wird durch überdurchschnittliche Aktivität in der Wohnung zeigen: Hier passt etwas nicht! 

Jedes Kind, das von seiner Umwelt nicht bekommt, was es braucht, um seine Begabungen ausleben und seine Persönlichkeit entwickeln zu können, wird sich auffällig verhalten. Verhaltensbesonderheiten sind daher stets als Zeichen, vielleicht sogar als Hilferuf des Kindes zu verstehen, mit dem es die Erwachsenen auf seine Situation aufmerksam machen will. Doch wird es gehört? Insbesondere die Hilferufe hochbegabter Kinder, die sich in Ermangelung anregender Spielsachen langweilen, werden oft nicht richtig gedeutet.



Anzeichen für Hochbegabung

ExpertInnen gehen davon aus, dass nur etwa 30 bis 40 Prozent der hochbegabten Kinder als solche erkannt werden. Das kann daran liegen, dass Hinweise auf eine besondere Begabung weniger leicht zu erkennen sind, aber auch daran, dass es manchen hochbegabten Kindern, vor allem den Mädchen, relativ gut »gelingt«, sich ihrer Umwelt anzupassen und sich eher unauffällig zu verhalten. Zudem können intellektuell hochbegabte Kinder offensichtliche Anzeichen ihrer Begabung, wie etwa eine ausgeprägte Fähigkeit zum logischen und analytischen Denken, außergewöhnlich gute Gedächtnisleistungen oder ein großes Interesse an altersuntypischen Themen, eine auffallende Sprachkompetenz oder selbstständiges Erlernen von Rechnen, Lesen oder Schreiben zeigen – aber sie müssen dies nicht tun.

Daher reicht es nicht aus, eine Checkliste mit Merkmalen abzuhaken, um sicher zu sein: Dieses Kind ist hochbegabt. Hinzu kommt, dass besonders begabte oder hochbegabte Kinder nicht nur in positiver Weise auf ihre Fähigkeiten aufmerksam machen. Sie sind oftmals sehr perfektionistisch, haben eine geringe Frustrationstoleranz bei ihnen oft unbekannten Misserfolgen, bekommen Wutanfälle oder werden aggressiv. Auch in Bezug auf ihr Sozialverhalten können Probleme auftreten, da hochbegabte Kinder ein ganz anderes Entwicklungsniveau als ihre gleichaltrigen Spielgefährten haben. Fühlen sie sich unwohl, können sie psychosomatische Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen zeigen. Letzte Sicherheit kann nur eine Intelligenzdiagnostik durch PsychologInnen geben.



 



www.stiftung-kleine-fuechse.de
Ziel der Wiesbadener Stiftung Kleine Füchse ist, begabte und hochbegabte Kinder bereits im Vorschulalter zu erkennen, individuell zu fördern und professionell zu begleiten, damit sie ihre Fähigkeiten optimal entfalten können. Im Modell Kleine Füchse werden drei Bereiche miteinander verbunden: eine begabungspsychologische Beratungsstelle, eine berufsbegleitende, zertifizierte Fortbildung, mit der pädagogische Fachkräfte ihre ErzieherInnenausbildung ergänzen, und die Zusammenarbeit mit Partnerkitas als Kooperationspartner in der frühen Begabungsförderung. Zudem haben fortgebildete ErzieherInnen die Gelegenheit, ihr Wissen nachhaltig in den Netzwerktreffen »Pädagogisches Forum« zu vertiefen.



 

Isabel Vöhringer ist promovierte Psychologin mit Schwerpunkt auf Entwicklung im Kindergartenalter. In der Stiftung Kleine Füchse verantwortet sie die Bereiche Begabungspsychologische Beratungsstelle, Fortbildung und Pädagogisches Forum. 

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Den vollständigen Beitrag können Sie in unserer Ausgabe Betrifft KINDER 04/17 lesen.



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