Betrifft Kinder

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Helle Bilderbücher für dunkle Wintertage

»Die Maus lebt nicht vom Brot allein!« Das weiß zumindest Frederick, Held aus Leo Lionnis gleichnamigem Bilderbuchklassiker. Und während alle anderen Mäuse den Sommer über fleißig Nüsse, Stroh und Weizen sammeln, bereitet Frederick sich ganz anders auf die kalte Jahreszeit vor. Er sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter für die kalten, dunklen Wintertage. Frederick weiß, dass Wörter, Verse, Geschichten Kraft und Zuversicht geben, dass sie trösten und Mut machen. Das ist auch der Grundgedanke des Huckepack-Preises, mit dem Bilderbücher ausgezeichnet werden, die mit ihren Bildern und Geschichten zur inneren Entwicklung von Kindern beitragen. 


Huckepack-Preisträgerin des Jahres 2017 ist Stina Wirséns Buch »Klein«. Das Bilderbuch erzählt – in einer schlichten Sprache mit wenigen Worten und begleitet von einfachen berührenden Illustrationen – von Streit und Vernachlässigung. Es hat düstere Seiten, aber es endet hell. Im Vorwort zur Geschichte heißt es: »Niemand, der erwachsen ist, darf Angst machen oder schlagen. Wir, die wir dieses Buch gemacht haben, hoffen, dass es Kindern helfen kann, die zu Hause Angst haben müssen. Und dass es Erwachsene daran erinnert, dass alle, die groß sind, Verantwortung für die tragen, die klein sind.«




Auf einer Short-List sind 10 weitere Huckepack-Empfehlungen versammelt. Da ist zum Beispiel »Mir nach!« von Nadine Brun-Cosme und Olivier Tallec. Drei sind unterwegs: Leon, das Zottelwesen, Max der Zweite (ein Kind) und Henri, der Kleinste (ein Hase). Auf ihrem Spaziergang durch die Stadt, am Meer entlang, durch den Wald und irgendwann wieder zurück in die Stadt und nach Hause geht mal der eine, mal der andere vorn und führt die Gruppe. Am Schluss gehen sie Hand in Hand, alle drei vorn. Eine wunderschöne Geschichte über das Wachsen an Aufgaben und das Größer werden.

Im Bilderbuch »Lucky« von Jenny Offill und Chris Appelhans wünscht sich die Protagonistin sehnlichst ein Haustier. Ihre Mutter verlangt allerdings: Du kannst jedes Tier der Welt ha-ben, solange es nicht ausgeführt, gebadet oder gefüttert werden muss. So fällt die Wahl auf ein Faultier, das in einer Kiste per Kurier geliefert wird. Natürlich fällt bei der Freundin das Faultier als Leistungsträger und Imponiergegenstand durch. Es kann schließlich keine Kunststücke. Ein wunderbares Buch über das Nichts-Besonderes-Sein. Und beeindruckend, wie die Erzählerin trotz einer scheiternden Zirkusvorstellung mit Lucky am Ende zu ihrem Freund hält.


Frederick, um noch einmal auf die langen, dunklen und kalten Wintertage unserer Mäusefamilie zurückzukommnen, Frederick wäre von der HuckepackBestenliste begeistert. Und bestimmt hätte er seinen Mäusen aus dem einen oder anderen Buch vorgelesen.

Träger des Huckepack-Preises – erstmals Februar 2016 verliehen – sind die Phantastische Bibliothek Wetzlar und das Bremer Institut für Bilderbuchforschung (BIBF). Der Preis für das Preisträgerbuch wird gestiftet vom verlag das netz, Weimar. Huckepack zeichnet Bücher aus, die in besonderer Weise geeignet sind, Kinder emotional zu begleiten und zu stärken (vgl. ausführlich Betrifft KINDER, Heft 3/16).

Jochen Hering

 


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