Betrifft Kinder

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Elemente der Gartengestaltung in Kitas: Feuerplatz und Fläche

Herbert Österreicher plant und gestaltet Freianlagen von Kitas, Horten und Grundschulen. In einer Serie berichtet er an Beispielen, worauf man bei der Gartengestaltung achten sollte und was Kinder im Außengelände brauchen, um sich wohl zu fühlen.


Wir wissen alle, wie wichtig es ist, Kindern ein großes, weiträumiges Außengelände anbieten zu können. Das bedeutet mehr als nur das Gegenteil von Enge und die damit oft verbundenen Konflikte. Räumliche Weite ermöglicht auch eine ganz eigene Qualität der Umweltwahrnehmung und Raumerfahrung. Natürlich trifft das auch für die Innenräume eines Hauses zu, aber hier geht es um das Außengelände, und zwar am Beispiel eines sehr großen Gartens.


Große Flächen sinnvoll nutzen 

Ein Außengelände wie jenes der Kindertagesstätte St. Josef in Eging am See ist selten: Den 130 Krippen- und Kindergartenkindern stehen hier weit über 6.000 Quadratmeter zur Verfügung. Berechnet man die etwa 20 Grundschulkinder nicht mit, die das Gelände zusätzlich nachmittags nutzen, bedeutet das pro Kind ein Flächenangebot von nahezu 50 Quadratmetern. Das ist außerordentlich viel. In mancher Kindertagesstätte würde das Sorgen hinsichtlich der Aufsichtspflicht auslösen, oder der Träger hätte Bedenken, dass der Aufwand für Pflege und Unterhalt zu groß wären. Nicht so in diesem Fall: Das pädagogische Team findet die gro-ße Anlage ebenso wunderbar wie die Kinder, und die Gemeinde Eging am See leistet gerne und großzügig die erforderliche Pflege.

Das war bereits die Ausgangssituation, als vor etwas über zwei Jahren entschieden wurde, Teile der Anlage neu zu gestalten, um das Gelände insgesamt besser nutzen zu können. Auch große Flächen wollen sinnvoll genutzt werden. In diesem Fall ging es darum, einzelne Spiel- und Handlungsangebote für die Kinder neu zu strukturieren und in sinnvoller Weise zu ergänzen, um Angebotsschwerpunkte zu bilden. Vor allem der Neubau verschiedener Sandspielbereiche stand an, die Platzierung einer großen Hangrutsche, eine neue Sträucherdichtpflanzung als Versteckbereich, Findlingssteine zum Klettern – und die Gestaltung eines Platzes im höher gelegenen Teil einer großen Wiese, von wo man einen fantastischen Ausblick hat. Dort oben kann man den Blick schweifen lassen über große Teile des Gartens, verschiedene Spielangebote, die tiefer liegenden Gebäude der Kindertagesstätte und sogar Teile des Ortskerns von Eging, der sich über einen benachbarten Hügel erstreckt. Es war uns allen klar, dass wir diese große Hangwiese im Wesentlichen erhalten wollten und die gestalterischen Veränderungen im Randbereich dieser Fläche stattfinden sollten.






Die Feuerstelle – ein magischer Platz

Die ergänzenden Elemente, mit denen diese »Kinder-Alm« neu gestaltet wur-de, waren teilweise schon vorhanden und wurden nun neu angeordnet. Das betraf vor allem zwei Gartenhäuser, die am nordöstlichen Rand der Wiese so  angeordnet wurden, dass sie – zusammen mit einer kleinen terrassierten Fläche davor – ein bauliches Ensemble ergeben. Dabei bietet diese Aussichtsterrasse nicht nur Platz für Tische und Bänke, sondern stellt auch den Endpunkt eines geschwungenen Kiesweges dar, der als einfacher und robuster Fahrweg sowohl von den Kindern als auch von den Fahrzeugen der Gemeinde zum Zweck der Gartenpflege genutzt wird.

Direkt unterhalb der Terrasse wurde in den dort etwas abgeflachten Hang eine Feuerstelle eingebaut. Zwar bestand das vorrangige Ziel darin, hier einen ungefährlichen und ansprechenden Platz für kleinere und etwas größere Lagerfeuer zu haben, aber für die Kinder »funktioniert« ein Feuerplatz auch ohne Flammen: In zahlreichen Rollenspielen ist ein solcher Platz von großer Bedeutung und wird sehr gerne aufgesucht. Und das bei geringem Herstellungsaufwand. Es handelt sich um eine etwa viereinhalb Quadratmeter gro-ße Pflasterfläche aus Granitsteinen, die mitten in einer etwas größeren Kiesfläche liegt. Damit sich bei Regenwetter die Aschereste im Zentrum der Feuerstelle nicht als schmierig-schwarze Masse festsetzen, pflasterten wir in Form einer uhrglasartigen Aufwölbung. Somit fördert der Regen Aschereste stets an den Außenrand der Pflasterung und reinigt damit immer wieder das Pflaster.

In ein paar Metern Distanz von der Feuerstelle pflanzten wir noch drei kleinkronige Apfelbäume. Sie verstärken die gemeinschaftliche Wirkung von Häusergruppe und Feuerstelle, ohne die Aussicht wesentlich zu beeinträchtigen. Immerhin sollte auch eine Sichtverbindung zu den Spielhäusern am unteren Rand der großen Wiese bestehen bleiben. Dort haben wir einen neuen Werkstattbereich eingerichtet: drei unterschiedlich große und überdachte Räume direkt am Fahrweg mit einem Sortiment verschiedener Baumaterialien und Hilfsmittel. Diese Häusergruppe hat viele Funktionen. Sie dient den Kindern als Treffpunkt, Arbeitsplatz und Materiallager, aber auch als Sammelplatz und Ausgangspunkt für andere Unternehmungen auf der großen Wiese.



Kontakt

Herbert Österreicher ist Diplom-Ingenieur und Magister Artium. Er plant und gestaltet Außenanlagen und Gärten von Kindereinrichtungen. Da-rüber hinaus führt er Seminare und Exkursionen zu verschiedenen Bereichen der Umweltbildung durch und ist als Autor für Fachzeitschriften und Verlage tätig. 
Weitere Informationen finden Sie unter: www.kinderfreiland.de 

 


Den vollständigen Beitrag können Sie in unserer Ausgabe Betrifft KINDER 10/16 lesen.


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