Betrifft Kinder 05-06/2026 Der Sommer ist da und mit ihm ein Heft über Tod und Trauer. Ungewöhnlich? Vielleicht. Zufällig? Nein. Die Entscheidung, dieses schwere Thema nicht wie gewohnt in die dunkle Jahreszeit zu legen, trafen wir bewusst. Damit setzen wir eine Botschaft um, die uns Autor:innen der vorliegenden Ausgabe ans Herz legten: Lasst uns schwierige Themen in guten Zeiten angehen und nicht erst, wenn der traurige Ernstfall eingetreten ist und uns den Boden unter den Füßen wegzieht.
Obwohl wir wissen, dass das Leben auch vor pädagogischen Fachkräften nicht Halt macht, kommt »der traurige Ernstfall«, wie die Expertin für Trauerpädagogik Margit Franz diese vielleicht erschütterndste aller menschlichen Erfahrungen nennt, immer überraschend. Kitaleitungen wie Stefanie de Grave in Ostfriesland und Michael Warnat in Sachsen folgten unserer Einladung und berichten über Verluste und Trauerprozesse – sowohl in den Familien der Kinder als auch im Team. Sie beschreiben, wie unterschiedlich Trauer er- und durchlebt wird und wie wichtig es ist, solche existenziellen Prozesse gemeinsam zu bewältigen.
Trauer ist nichts, das »professionell ausgeblendet« werden kann oder sollte. Im Gespräch mit der Filmemacherin Steffi Thon und dem Bestatter Eric Wrede wird deutlich, dass jede Form von Verlust betrauert werden möchte. Trauer lässt uns menschlich reifen und stärkt unsere Resilienz. Sie ist kein Defizit, sondern ein Prozess, der uns lehrt, Erinnerungen an Schönes zu bewahren und in Neues hineinzuwachsen. Dabei können wir – wieder einmal – viel von Kindern lernen. Sie trauern anders als wir.
Kinder wechseln zwischen Spiel und Schmerz. Es fällt ihnen leichter, sich Pausen zu erlauben. Oft ist die Kita dafür der beste, weil verlässlichste Ort. Ihre direkten Fragen – »fault der Opa jetzt?« – mögen uns herausfordern. Zugleich laden sie uns ein, die eigenen Vorstellungen von Trauer zu hinterfragen. Vielleicht ist wirklich genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich dem Thema mit offenem Herzen, fachlichem Blick und einer Prise Mut zuzuwenden. Denn das Leben besteht nicht nur aus Leichtigkeit – aber es wird tiefer, wenn wir das Schwere gemeinsam tragen.
Inhaltsverzeichnis Betrifft Kinder 05-06/2026 Hauptsache
Weil wir uns haben
Gemeinsam durch schwere Zeiten
Als kurz hintereinander mehrere Fachkräfte Verluste erlitten, war ihr Team zum Glück gut vorbereitet. Stefanie de Grave über eine Zeit, die nicht leicht, aber lehrreich war.
Lisa ist gestorben
Wann und wo darf ich trauern?
Ob eine verlorene Freundin, der verstorbene Opa oder ein geliebtes Haustier – vom Recht auf individuelles Trauern und die Bedeutung von Trauerkonzepten schreibt Michael Warnat.
Belastende Geheimnisse
Kinder zwischen Verlust, Trauer und Schweigen
Anhand anonymisierter Fallbeispiele veranschaulicht Gundula Göbel, wie belastenden Geheimnisse entstehen und betroffene Kinder hilfreich begleitet werden können.
Wissen
Der traurige Ernstfall
Wie Kitas handlungsfähig bleiben, wenn Tod und Trauer den Alltag erschü?ttern
Der Tod lässt sich nicht planen. Der Umgang damit schon. Ein Plädoyer von Margit Franz, sich in krisenfreien Zeiten mit Verlust, Trauer und Abschied auseinanderzusetzen.
Worte ohne Folgen
Warum Absprachen im Alltag oft nicht tragen
Alles scheint klar, begründet und entschieden und dann kommt doch alles anders. Uschi Drude erkundet diese Lücke und findet heraus, was uns im Alltag wirklich leitet.
Erfindergarten
Das Wasserklosett
Große Erfindungen der Menschheit
Oft als selbstverständlich angesehen, ist das Wasserklosett eine bedeutende technische sowie hygienische Errungenschaft. Herbert Österreicher erklärt, warum.
Medien
Irgendwie geht’s immer weiter
Ü?ber den Umgang mit Trauer, Tod und Neubeginn im Bilderbuch
Geschichten und Bilder zu Tod und Trauer zählen zu den schönsten und poetischsten Werken auf dem Bilderbuchmarkt. Eine Leseeinladung von der AG Bücher für’s Vorlesen.
Perspektiven
Wenn wir ins Gras beißen …
Warum die Kita für trauernde Kinder wichtig ist
Eric Wrede hat es sich zum Ziel gesetzt, den gesellschaftlichen Umgang mit Tod und Trauer offener, ehrlicher und menschlicher zu gestalten. Wir sprachen mit ihm.