Betrifft Kinder

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Im Rahmen der Jahrestagung 2017 in Berlin hat sich aus einer Open-Space-Gruppe die Formulierung eines Offenen Briefes entwickelt, der aufmerksam machen will auf das, was den Fortbildner/innen und Berater/innen in ihrem täglichen Kontakt mit der Praxis begegnet. Zahlreiche Teilnehmer/innen der Tagung haben den Offenen Brief schon vor Ort unterzeichnet und ihren Kolleginnen aus dem Netzwerk damit das Einverständnis erteilt, auch in ihrem Namen das Anliegen der Fortbildung vorzubringen.

Die Gruppe, die sich mit dem Formulieren des Offenen Briefes beschäftigt hat, versendet den Brief aktuell an die Verantwortungsträger der Kinder- und Jugendhilfe. Vor allem die AG 
»Frühe Bildung«, die das Vorhaben »Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern« verantwortet, ist Adressat des Briefes.

Weitere Informationen zum Netzwerk finden Sie auf unserer Website 

https://netzwerk-fortbildung.jimdo.com/ und 
https://netzwerk-fortbildung.jimdo.com/offener-brief-der-fortbildung/

 


Es gibt schon einige Stellungnahmen zum Thema Qualität, aber es gibt noch kein Positionspapier aus der frühpädagogischen Fortbildung. Wenn Sie auch mit dem Offenen Brief einverstanden sind und ihn unterstützen möchten, können Sie das durch eine kurze Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! kundtun. 
 



Offener Brief des
Netzwerks Fortbildung: Kinder bis drei


Wir  kritisieren die  Bedingungen in deutschen Kitas und  fordern mehr Personal und Qualität – jetzt und dringlich! Unabhängige Expertinnen melden sich  zu Wort.

Als Vertreterinnen des bundesweiten »Netzwerk Fortbildung: Kinder bis drei«1 schlagen wir Alarm. Wir kritisieren die unzumutbare Überbelastung des Personals in pädagogischen Einrichtungen. Den Erzieherinnen und Erziehern wird ein immer größer werdender Aufgabenberg zugemutet, ohne ihnen die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Immer mehr Fachkräfte sind von Burn-out bedroht. Hoch engagierte Fachkräfte geben ihren Beruf auf, weil sie ihre pädagogischen Ziele nicht mehr umsetzen können oder weil sie unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht mehr arbeiten wollen.

Wir wissen aus zahlreichen Studien zur Qualität von Kindertagesbetreuung2, dass qualitativ gute Betreuung exzellente Rahmenbedingungen braucht, um das Wohl aller Kinder und ihr Recht auf Bildung zu gewährleisten. Jedoch zeigen unsere aktuellen bundesweiten Erfahrungen aus Praxisforschung, Fachberatung, Fortbildung und Supervision, dass die Schere zwischen den Rahmenbedingungen der Einrichtungen und den Anforderungen an die Fachkräfte immer weiter auseinander klafft.

Wir erleben engagierte Träger im Land, die ihre Verantwortung wahrnehmen und ihre Einrichtungen weit über den Mindeststandard ausstatten, auch wenn dies die eigenen Kassen strapaziert. Sie brauchen eine bessere finanzielle Ausstattung durch Land und Bund! Gleichzeitig erleben wir jedoch viele Träger, die ihre Einrichtungen vernachlässigen und nur darauf setzen, dass Eltern sich nicht beschweren.


Als Fortbildner*innen und Berater*innen mit engem Praxiskontakt sehen wir uns in der Pflicht, diese Missstände öffentlich zu machen:
 

  • In vielen Bundesländern ist die Fachkraft-Kind-Relation unhaltbar.
  • Es gibt deutlich zu wenig bis gar keine Zeit für Teambesprechungen, um die pädagogische Arbeit zu reflektieren; Teilzeitkräfte haben keine Übergabezeiten; es fehlen Vorbereitungszeiten;
  • Der Krankenstand ist hoch: umso höher je schlechter die Rahmenbedingungen sind;
  • Durch die hohen Belastungsanforderungen entstehen strukturelle unbewältigbare Überforderungssituationen;
  • Wir erfahren, dass Fachkräfte ungewollt in Situationen geraten, in denen das Wohlergehen, die Würde und die Rechte der Kinder gefährdet sind, obwohl Erzieher*innen Anwälte der Kinder sein wollen.



Deshalb fordern wir für Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder in den ersten drei Lebensjahren:
 

  • Kinderrechte als Maßstab für politische Entscheidungen
  • Bessere personelle Ausstattung für alle Kindertageseinrichtungen
  • Fachlich qualifizierte und für Teamentwicklung freigestellte Leitungen für jede Kindertageseinrichtung
  • Qualifizierte, verlässliche und finanzierte Aus- und Fortbildung, Fachberatung, Supervision
  • Berücksichtigung der verschiedenen Arbeitsaufgaben in Kindertageseinrichtungen, d.h. Anstellung von Verwaltungs- und hauswirtschaftlichen Kräften
  • Einbindung und Mitbestimmung pädagogisch fachlicher Expertise in Planung und Durchführung von Aus- und Neubauten
  • Mehr Raum für Kind und Fachkraft.



​Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr - jetzt!

Wir fordern Sie auf, in Bund, Land, Kommunen und der Trägerlandschaft Ihren Beitrag in der Verantwortungsgemeinschaft für Kindertagesstätten zu leisten, damit die Rechte und die Würde aller Kinder gewahrt werden.

Statten Sie Kindertagesbetreuung so aus, dass Kinder- und Menschenrechte garantiert sind und der gesetzliche Bildungsauftrag durch die Fachkräfte erfüllt werden kann.

Wir sind dabei und laden Sie ein, mit uns ins Gespräch zu kommen! Kontaktadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

In Vertretung der  Erstunterzeichner*innen:

Barbara Baedeker, Freiburg
Elisabeth Erndt-Doll, Herrsching
Michaele Gabel, Idstein

Ute Steinmüller, Rostock
Prof. Dr. Wiebke Wüstenberg, Frankfurt
Sylvia Zöller, Karlsruhe


 

1 Das »Netzwerk Fortbildung: Kinder bis 3« ist ein Zusammenschluss von Trägervertreter*innen, Fachberater*innen, Fortbildner*innen sowie Vertreter*innen aus Ausbildung und Wissenschaft und versteht sich als Austauschforum, Diskussionsforum und Kontaktbörse im Bereich der Frühpädagogik. Das Netzwerk tritt ein für eine Verbesserung der Qualität in den Einrichtungen, in denen Kleinkinder betreut werden sowie für fachlich qualifizierte Fort- und Weiterbildungsangebote im Bereich der Frühpädagogik.

Siehe Studien wie EPPE, REPEY, SPEEL, NUBBEK, STEGE, »Qualität für alle«, »Schlüssel zu guter Bildung« u.a.